Geschichte der Orgel

Nachdem am 24. September 1675 die Einweihung der Lutherkirche gefeiert wurde, erfolgte der erste Orgelbau erst 1714. Arp Schnitger aus Hamburg fertigte die Orgel. Das Instrument besaß 18 Register auf Hauptwerk und Brustwerk und hatte ein angehängtes Pedal. Der Prinzipal war aus Zinn. Die Orgel entstand, nachdem 1710 die Schnitger-Orgel in Weener gebaut worden war. 1734 wurde ein stummes Rückpositiv angeschafft, was die Reformierten wegen der hohen Kosten als „sehr anstößig“ bezeichneten.

Um 1790 gab es Gespräche mit Johann Friedrich Wenthin aus Emden. Die mit ihm diskutierten Umbaupläne wurden aus bisher unbekannten Gründen aber wieder verworfen. Vermutlich waren stilistische Gründe ausschlaggebend: Zum Ausgang des 18. Jahrhunderts liebte man neben der Barockmusik besonders auch die galante Musik, wofür ein Bordun 16‘ sowie Gamben und Traversflöten wünschenswert gewesen wären. Über diese Stimmen verfügte die Schnitger-Orgel aber nicht.

1795 erfolgte der zweite Orgelneubau durch Hinrich Justus Müller aus Wittmund. Das Orgelgehäuse stellte der Tischlermeister Budde aus Leer her, das Laub- und Schnitzwerk stammt von Schnitzer Diederich Koch aus Weener. Die von ihm geschaffene Rokoko-Fassade ist bis heute erhalten geblieben und steht selbstverständlich unter Denkmalschutz. Die zinnernen Prospektpfeifen mussten 1917 an die Heeresverwaltung abgegeben werden.

Nach der Renovierung der Lutherkirche im Jahre 1910 wurde 1911 der dritte Orgelneubau unter Verwendung des barocken Orgelprospekts von der Firma Furtwängler & Hammer verwirklicht.

1964/66 wurde der vierte Orgelneubau hinter der „alten Fassade“ durch den Orgelbaumeister Alfred Führer aus Wilhelmshaven verwirklicht. Seit November 1993 wurden die Stimmen lauter, die eine Verbesserung der Orgel in der Lutherkirche wollten. 1996 votierte der Orgelsachverständige der Landeskirche gegen eine Restaurierung und für einen kompletten Neubau. 1998 fasste der Kirchenvorstand den Entschluss, mit der Verwirklichung eines Neubaus zu beginnen. Ein langer und arbeitsreicher Weg war zu beschreiten.

Am Sonntag, dem 20. Oktober 2002, konnte die von Orgelbaumeister Jürgen Ahrend aus Leer-Loga gebaute, nunmehr 5. Orgel der Lutherkirche, feierlich eingeweiht werden. Die Orgel ziert unverändert der aus dem Jahre 1795 stammende Prospekt der damaligen Müller-Orgel.

Disposition der Orgel

Erbaut im Jahre 2002 von Jürgen Ahrend, Leer

Hinterwerk (I) Hauptwerk (II) Brustwerk (III) Pedal

Gemshorn 16'
Principal 8'
Salicional 8'
Hohlflöte 8'
Schwebung 8'
Octav 4'
Spitzflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Gemshorn 2'
Terz 1 3/5'
Mixtur IV
Fagott 16'
Basson 8'

Bordun 16'
Principal 8'
Viola di Gamba 8'
Rohrflöte 8'
Octave 4'
Octave 2'
Sesquialtera II
Mixtur IV
Trompete 8'
Vox humana 8'

Traversflöte 8'
Holzgedackt 8'
Quintadena 8'
Douceflöte 4'
Waldflöte 2'
Quinte 1 1/3'
Sifflöte 1'
Terz 4/5'
Dulzian 8'

Subbaß 16'
Principalbaß 8'
Octavbaß 4'
Mixtur IV
Posaune 16'
Trompete 8'
Trompete 4'

Tremulant
Zimbelstern
Vogelgesang

Manualkoppeln:
I an II
III an II

Pedalkoppeln:
II an Ped.
I an Ped.

Werkmeister 3
440 Hz bei 17 Grad
Winddruck: 71 mm

Manual: C bis f'''

    Pedal: C bis f'

Orgeltechnik

Was ist ...?

  • Traktur: Verbindung zwischen Taste und Spielventil mittels Abstrakten. Dies sind dünne Holzleisten, die durch Winkel umgelenkt werden können.
  • Wellenbrett: Die Abstrakten kommen von den Tasten in Tastenteilung und müssen, um die viel weiter auseinander liegenden Spielventile erreichen zu können, auf Windladenteilung gebracht werden. Dies geschieht über Wellen, die die Bewegung in die Breite übertragen.
  • Spielventile: Sie befinden sich in den Windladen und lassen bei Öffnung den Orgelwind in die Pfeifen strömen. Über dem Spielventil liegt noch das Registerventil, welches durch den Registerzug ebenfalls geöffnet sein muss, wenn der Ton erklingen soll. Das Registerventil (Schleife) wird mit dem Registerzug am Spieltisch aufgezogen.
  • Orgelgebläse: Elektromotor mit angebautem Schaufelrad (Schleudergebläse), welches den Orgelwind erzeugt und in den
  • Magazinbalg hineindrückt: Dort wird die Luft unter Druck gehalten (Bleibarren erzeugen den Winddruck im Balg) und kann, nach Betätigung einer Taste, in die Pfeifen strömen.
  • Pfeifenwerk: Es gibt Lippenpfeifen und Zungenpfeifen. Die ersteren funktionieren nach dem Prinzip der Blockflöte und die letzteren ähnlich wie eine Klarinette. Allerdings ist das aufschlagende Blatt nicht aus Holz, sondern aus Messing. Die kleinsten Pfeifen sind nur einige Millimeter lang, die größten können 10 m lang sein. Die Pfeifen sind aus Holz oder meist aus Orgelmetall gemacht, einer Legierung aus Zinn und Blei. Die Ahrend-Orgel hat ca. 2.450 Pfeifen.